Tag 6 - Dienstag, 10.03.

Früh um 7 holten uns zwei Taxis ab zum Flughafen. Vorher konnten wir noch einmal rasch frühstücken und ein letztes mal leckeren Yuca-Kuchen schmecken lassen. Ja, auch das kann man aus so einer Palme machen. Sehr saftig, etwas zitrisch, vielleicht auch mit Kokos, so genau konnten wir das nicht sagen, aber lecker wars. 

Der Flug verlief ohne Komplikationen und wir landeten gegen Mittag sicher in Buenos Aires. Bei der Passkontrolle am Flughafen begegnete uns jedoch die erste Herausforderung, dass nur Simon und Luis die Adresse der Gastfamilie kannten. Die musste aber als Aufenthaltsort genannte werden. Mit Händen und Füßen, sowie bei Anja seeehr gebrochenem Spanisch wurde sich am Schalter irgendwie verständigt, bis die erlösende WhatsApp-Nachricht der guten Dame unter die Nase gehalten werden konnte. 

Draußen empfingen uns schon die Argentinier: Miguel und Mabelle, die Eltern (etwa Anfang 60), sowie Melvin (ehemaliger Austauschschüler von Luis und letztes Jahr im Sommer nochmal in Deutschland zu Besuch) und seine Frau Cynthia. Es war ein herzliches Wiedersehen, oder auch zum-ersten-Mal-sehen für Anja, wie es in Argentinien üblich ist: jeder wird mit einem hörbaren Luftschmatzer neben der rechten Wange begrüßt. 

Wir wurden samt Koffern verstaut und weiter ging es nicht wie angenommen nach Hause, sondern erst einmal in die Stadt zum Mittagessen bei einem Pizzarestaurant.


Die Pizzen dort waren so groß, dass man sich zu viert eine teilen konnte. Dazu gab es noch zwei Stücke "Tarta de acelga", das ist wie eine Quiche mit Mangold und Wirsing, die ebenfalls unter uns (deutschen) aufgeteilt wurden. Am Ende wurde noch fleißig Nachtisch geordert, der zum Teilen herumgereicht wurde. Hier gibt es traditionell sogenannten Flan, eine Art Vanille-/Milchpudding übergossen mit Caramellsauce, schmeckt ein bisschen wie Creme Brullee. Außerdem verbreitet ist ein Zitronen-Eischnee, namens "Espuma de Limon". 

Eine weitere Kuriosität trug sich zu, indem wir im Restaurant auf einen Mann mit "Audi elektrisiert - Neckarsulm" auf der T-Shirt Rückseite aufmerksam wurden. Uwe ließ es sich nicht nehmen und kam mit der jungen Familie (noch Frau und zwei kleine Kinder mit dabei, ca. 1 und 4 Jahre alt) ins Gespräch. Sie waren schon seit zwei Jahren auf Reisen mit ihrem Camper von Canada bis nach Buenos Aires, was nun ihre letzte Station vor der Heimreise darstellte. Der kleine Junge (einer davon auf Reise geboren) muss sich wohl sehr gewundert haben, mal jemand anderen außer Mama und Papa deutsch sprechen zu hören. Vielleicht denkt ihr euch es ist nicht groß verwunderlich, auch mal ein paar Deutschen in einer argentinischen Großstadt zu treffen und, na gut dass die auch noch aus dem Umkreis kommen ist vielleicht ein Zufall... Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Das Zukunfts-Ich, das mit zugegebenermaßen mit einiger Verspätung diesen Blogbeitrag verfasst, muss euch noch eine Weile auf die Folter spannen. 

Nach dem Essen haben wir uns laufend (und damit leider ohne Mabel und Miguel) das Teatro Colón angeschaut, das wohl bedeutendste Opernhaus in Lateinamerika. Es lag auf dem Weg zwischen Pizzarestaurant und Parkhaus bzw. Obelisk. Diese zwei blocks wurden von Mabel und Miguel mit dem Taxi zurückgelegt.



Melvin hatte uns als Überraschung zu unserer Ankunft einen Zeitslot beim Wahrzeichen der Stadt, dem Obelisk, gebucht. Wir bekamen in 4er Grüppchen eine kleine Führung und konnten mit dem Aufzug bis ganz nach oben fahren und einen Blick über die Stadt in alle vier Himmelsrichtungen bekommen. Dies war auch der Grund dafür, dass nur jeweils vier Leute 

gleichzeitig den Turm betreten durften, den die Ausbuchtung, in der man zum Rausschauen aus dem Fester stehen konnte, war so klein, dass nicht mal eine zusätzliche Handtasche darin Platz gehabt hätte. Ein Guide stand oben an der Treppe und passte auf, dass wir alle schön brav durch rotierten und jeder genug Süd-, Ost-, West- und Nordblick abbekam. Die unter dem Monument durch führenden Bahnstrecken wurden erst im Nachhinein gebaut, war damals eine architektonische Schwierigkeit darstellte. Das Gewicht des Obelisk musste auf einem Konstrukt von mehreren Querstreben verteilt werden, sodass nun vom Innern des Turms direkt auf die eine der beiden Bahnstrecken (B und C der Subte) geschaut werden kann. Der Zug fährt etliche Male am Tag unter der Stadt hindurch, was zu Vibrationen führt, die bereits eine Verschalungstafel von der Wand haben fallen lassen. Laut Verfassung ist der Obelisk allerdings nicht zu verändern, folglich auch nicht zu reparieren. Dieses Passus sorgte auch dafür, dass der Aufzug, der nachträglich für die Besucher eingebaut wurde, in Einzelteilen durch die schmale und niedrige Tür hinein geschafft und drinnen wieder aufgebaut werden musste. Der Obelisk steht an einem Platz, an dem früher eine große Kirche stand. Die musste aber der riiiiesigen Straße weichen, die heute an der Stelle durch die Mitte der Stadt führt. Außerdem kennzeichnet das Denkmal den Ort, an dem zum ersten Mal auf der Kirche die argentinische Flagge gehisst wurde. Die Argentinier sind da sehr stolz drauf. 


Hier im Zentrum der Stadt fiel uns eine Besonderheit auf: die Busse der Linien, die auf dieser großen Straße fahren, fahren im Linksverkehr. Alle Züge übrigens auch, da sich das damals aus Groß-Britannien eingekauft wurde. Bei den Bussen  wahrscheinlich aber, weil die Türen zum Ein- und Aussteigen sonst auf der falschen Seite wären. Da sind wir uns aber nicht ganz sicher. Melvin erklärte uns, dass es hier quasi egal ist, in welchen Bus man einsteigt, da alle Linien auf einer gewissen Strecke jedenfalls die gleiche Strecke abfahren und nur leicht versetzt an den Stationen direkt hintereinander halten. Es ist also nur eine Frage der Bequemlichkeit, welchen Bus man nimmt, damit man genau an der richtigen Ecke ausgespuckt wird und nicht einen Block weiter laufen muss. So stellen wir uns das jedenfalls vor. Faszinierend auf jeden Fall wie auf der Hauptstraße perlenschnurartig ein Bus hinter dem anderen fährt.


Im Anschluss machten wir mit dem Auto noch eine kleine Stadtrundfahrt auf dem Weg nach Hause. Vorbei an der Casa Rosada, dem Regierungssitz und Amtssitz des argentinischen Präsidenten, weiter zum Gebäude der Jurafakultät der Uni, wo Mabelle früher mal gearbeitet hat und daneben die bekannte Blume aus Metall steht. Die "Florales Generica" wurde nun am Abend schön mit Licht bestrahlt. Diese Blume wurde beim letzten großen Sturm ordentlich auseinander genommen und musste wieder neu aufgestellt werden. Nun sieht sie wieder hübsch aus. 

Unten untern der Jurafakultät hatte eine Frau gerade alle Prüfungen ihres Studiums bestanden. Sie wurde die Breite lange Treppe hinunterkommend von ihren Freunden empfangen. Allerdings haben die traditionell etwas lausiges mit ihr vor. Es wurde Sprühsahne, Konfetti, Mehl, so Fäden und Bengalowrauch über ihr abgeladen. Scheinbar hat Sie sich trotzdem immer noch gefreut, vielleicht sagt das etwas über die Strapazen im Studium aus. Die müssen gänzlich abartig sein. Grüße gehen raus an alle die studiert haben oder es noch tun. ;) 

Nachdem alle zentralen Punkte in der Stadt abgefahren wurden, ging es weiter zum Haus unserer Gastfamilie im Stadtteil Hurlingham. Zum Abendessen gab es von der Haushaltshilfe namens Andrea frisiert oder gebackene Milanesa (Schnitzel), zusammen mit Kartoffelspalten aus dem Ofen, Pommes, Kartoffelsalat mit Ei (und Mayo;)), Karottensalat und Tomaten. Milanesa ist ein typisches argentinisches Gericht. Als Simon sich bei den zwei Sorten Milanesa nicht gleich entscheiden konnte, kam Celanie Melvins Schwester zur Hilfe und sagte "Milanesa frita", und schon fühlte es sich noch argentinischer an. 

Den Kater des Hauses (namens Leon) bekamen wir nur kurz zu Gesicht, die vielen neuen Gäste waren ihm wohl unheimlich.

Unglaublich müde bezogen wir alle unsere Zimmer, denn am nächsten Tag mussten wir wieder zeitig raus, an dem Tag stand viel an...

Impfwunsch: gegen Überessung


Nicht empfehlenswert: Zu 31 an der Leiter auf den Obelisken rauf der für 4 Leute ausgelegt ist. Argentinier sind wahnsinnige Fußballfans und stellen bei gegebenem Anlass zu Millionen die Innenstadt auf den Kopf. Manchmal sterben sie auch für den Fußball wenn sie von einer Straßenlaterne wieder runterfallen....

Höchsttemperatur: ca 24

Mückenstichcounter: quasi 0

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