Tag 7 - Mittwoch, 11.03.

Heute waren wir in La Plata. Für Anja und Simon gab es dort ein Termin an der Universität für die restlichen Koppenhöfers einen Besuch im Naturmuseum mit Fossilien. Wir fuhren auf 10:30 von der riesigen Stadt Buenos Aires nach La Plata. Diese Stadt ist viel kleiner, sie ist geordneter aber genauso flach. La Plata ist besonders, da Buenos Aires sich um 1830 zu einer großen Stadt und zu einem Stadtstaat entwickelt hat. Man brauchte eine neue Hauptstadt für das Flächenland und designte La Plata am Reisbrett. 



Angekommen wurden die beiden Profiblogger an der Uni abgeladen. Die Professorin Claudia und Marcelo haben uns sehr freundlich empfangen und haben sehr gut englisch gesprochen. Melvin als potentieller Übersetzer konnte mit den anderen ins Museum. Claudia und Marcel nahmen uns mit in das initiale Gebäude der Physik es wurde Anfang 1900 von Emil Bose (nicht DER Bose sondern ein anderer) und seiner späteren Frau für einen zeitgemäßen Forschungsbetrieb ausgestattet. Die Instrumente sind erhalten, gepflegt und vollständig was eine sehr faszinierende Sammlung ausmacht. Der Laborraum hatte einfache Holztische und Hocker und Elektrischer Verkabelung wie man sie noch aus deutschen alten Bauernhäusern kennt. Dort trafen wir auf Prof. Richard aus dem Hoya et. al paper, auf zwei Technische Mitarbeiter und später auf Prof. Rentería aus dem hoya et.all. paper. Marcelo als Professor und Dozent für Quantenmechanik war am bestem im Thema und am gesprächigsten. Später kam noch seine Frau dazu, die die historische Sammlung leitet. Dort werden monatlich thematische Tag der offenen Türen, Schülerlabore abgehalten und Nachfolger ausgebildet. Es gibt einige bezahlte Mitarbeiter für all das und es wird mit Liebe und teilweise mit Schauspielerischen und künstlerischen liebe zum Detail durchgezogen. Einmal wurde das Leben von Kepler nacherzählt. Der Besuch in der Sammlung dauerte con 12:20 bis 12:40 also nur recht kurz. Den Großteil der Zeit verbrachten wir davor im Laborraum mit reden. Das Gespräch dort ging von einer Vorstellung, über in ein wildes Beschnuppern, um dann in einen gezielten Austausch zu münden der allerdings von zahlreichen spontanen Experimenten unterbrochen wurde.

Nebenher ging die Mate tee “tasse” im Kreis wie üblich in Argentinien. Bei Personen ohne Coffeinerfahrung (Simon) sorgt das für eine stark erhöhte Wortfrequenz selbst auf englisch. Meine Motivation für das Treffen war, dass es bei dem Unterrichtskonzept mit F-Zentren in Salzen zum Potentialtopfmodell neuere Fachforschung brauchte, um das eingestaubte Thema wieder gangbar zu machen. Einige aktuelle Fachforschung zu den Simulationen kommt aus la Plata. Dazu hatte ich fragen. Außerdem hatte ich die Vermutung, dass in La Plata aufwendig mit Röntgenstrahlung farbiges Salz hergestellt wird, statt dem experimentell einfachen vakuumieren und mit Blitzen beschießen. Die Vermutung war richtig. In dem Moment in dem klar wurde wie einfach es zu gehen scheint, wurde schnell eine Vakuumpumpe herangeschafft Mehrfachstecker, Gummischlauch geschnitten. Die 4. Person schwärmte wegen Stativmaterial aus. Kurz darauf war die Sache gebaut und funktionierte. Das war faszinierend. Der Redefluss wurde allerdings höchsten von einem knatternden Tesla transformator unterbrochen. In La Plata ist man in einigen Aspekten voraus, denn die F-Zentren sind Teil der Vorlesung und Teil des Praktikums. Hier wird mit Absorptionsspektroskopie unbekannter Salze, das Salz identifiziert. 
Salzkörnchen entfärben durch Wasser aber auch die Bioquantenphysikexperimente mit der UV-Lampe kamen sehr gut an und wurden abfotografiert, nachgemacht und festgehalten um welche Pflanze im nahegelegenen Park es sich handeln könnte. Die Argentinier waren vielfach sehr dankbar für die Anregungen. Das sie auch direkt das Fasergekoppelte Spektrometer holten um die Farbe der Kastanienzweigfluoreszenz zu untersuchen ist sehr inspirierend. Aber auch bei den Molekülen als Potentialtopf waren sie uns voraus, weil Cyanofarbstoffe in den Vorlesungen auftauchen und Kooperationen zu den Biologen stattfinden. Es wurde z.B. ein rosa Farbstoff in Vogeleierschalen der Art ??? physikalisch untersucht, weil er laut Biologen dafür verantwortlich ist, dass dieser Bodenbrüter in Argentiniens Pampa wenig Eier an Raubvögel verliert.
Ein großer Diskussionspunkt, war, dass wir immer wieder davon sprachen, Unterrichtsmaterialien für das Gymnasium zu entwickeln, das Feedback war, dass das vorgestellte sehr anspruchsvoll sei, in La Plata kommt die Thematik nur in der Uni vor. Zur fachlichen Klärung konnten die Argentinier leider noch nicht viel weiterhelfen, sie kannten unseren Simulationsalgorithmus und unsere Pi-Orbitalmodellierung bei Farbstoffen nicht wirklich.

Die Verabschiedung war sehr herzlich, als Gastgeschenk haben wir einen Kastanienzweig und gefärbtes Kochsalz (rot, weiß, blau) in einem schicken vintage Karton da gelassen. Wir haben uns auf weitere E-Mails vertröstet, da ich schon wieder auf die Uhr schauen musste. Mal sehen ob der Kontakt ein Weile bestehen bleibt. 

Zackig wie bei einem Uhrwerk ging es um 13:00 Uhr weiter zum örtlichen Asador. Es gab das erste gut argentinische Grillen. Ein Laden mit Sonnensegel Innenhof, 30 Grad Märztag, ein Deckenventillator und viiiieeel tonnenschwere Kost. Aber das ist ein Spoiler, los ging es unschuldig mit einem Appetizer leichtes Brötchen mit Quark oder fermentierter Auberginen. Solange wir noch nicht wussten dass das Aubergine ist mochte Simon es auch noch, danach grinste Anja fortwährend vergnügt. Komisch. 


Als zweiten Starter gab es einen aufgeteilten frittierten Empanada, dazu dann später mehr. Außerdem besonders ist, dass Säfte speziell Orangensaft hier immer seeeehr lecker und mit Pulpa sind also mit Fruchtfleischstückchen. Nicht zu verwechseln jugo de naranja con pulpo, wäre mit Tintenfisch… die Hauptspeise bestand aus Fleisch zwei große Platten (vielleicht je 2kg) für 8 Leute. Die Gastgeber achteten direkt darauf, dass die besten Stücke unverzüglich auf den Tellern des Gäste landeten. Rippchen, Bauchlappen, Bries, Gefüllter Darm etc. bewogen manche Europäischen Mägen zur vorsichtig tastenden Nahrungsaufnahme. Es gab während dem Essen dann einige Anregungen. bries sei mit Zitrone lecker(er), bei Rippchen ist das Gewebe ganz am Knochen das leckerste , oder wir müssen unbedingt noch dieses weitere Stück probieren. Aus Simons Perspektive ist es wichtig Chimichurry als Dip zu verwenden. Das ist ein seeeeehr tolles Gewürzöl was alles leckerer macht, aber die Speise nicht weniger fettig…. Außerdem ist Chorizo vom Grill etwas sehr leckeres, dabei handelt es sich um eine grobe sehr geschmacksmächtige  Wurst. Die Beilagen waren nicht der Rede Wert und vorallem nicht grün.  Noch bevor unsere Teller nicht mehr fremdgesteuert mit Fleisch gefüllt wurde ging eine Diskussion über den Nachtisch los. Alle spanisch Ausgeschriebenen Postres zu denen wir Nachfragen hatten wurden bestellt. Also sehr viel. Nur die “Tradition” Uwes in Argentinien eine Don Piedro Schale zu essen (mit Whisky) fiel aus. Ich vermute Uwe wollte bei 30 Grad keine Schale, welche die ZWEITE in seinem Leben gewesen wäre. Die Tischgespräche waren erkennbar warm und in Erinnerungen schwelgend. Zurück in der Realität waren die Bäuche allerdings schon berstend, so wie die Soda flaschen auf dem Tisch. Das sind druckbetankte Wasserflaschen die sich auf Hebeldruck rauschend von selbst entleeren und dabei eine geübte Bedingungen erfordern ohne biblische Fluten auszulösen. Generell das richtige Spielzeug für Physiker, was wir uns nicht haben anmerken lassen. Auf keinen Fall. Noch brechender wurden die Mägen dann nach dem Postre, typisch sind hier Milcheierspeisen wie flan, gesüüüüßter Eischnee, limonschelo zeig Tiramisou und viiieeel Eis (Helado). Schlafen beim Heimfahren war für alle außer den Fahrern fast nicht zu vermeiden.

Die Kucuks besitzen in Hurlingham eine Häuserblockecke mit zwei Häusern sowie gegenüber und etwas weiter hinten weitere Häuser. Das von der Großelterngeneration Wohnraum frei wird ist für die neue Generation mehr Platz. Das Haus weiter hinten ist eine alte Schreinerei mit langer einfahrt und einem Haus am Ende. Es lebt eine Schildkröte dort und (zumindest vorübergehend) Celanie mit ihrem Freund Nacho. Nacho ist die Abkürzung für Ignacio. So wir Francesco Abgekürzt Pancho ergibt (was gleichzeitig eine Speise ist). Im Garten wurde ein langer Tisch aufgebaut für insgesamt 11 Personen. Es gab Empanandas (sehr zu empfehlen) das sind gefüllt Teigtaschen entweder frittiert oder aus dem Ofen, die Füllung ist natürlich immer sehr wichtig und meistens triefend fettig. Zu Auswahl standen carne suave (im Sinne nicht scharf), und carne picante (scharf), queso, cebolla queso, jamón con queso, pollo, verduras (ein Entgegenkommen der Argentinier). Die Teigtaschen lassen es für uns zu, dass man 2-3 isst. Verpackt in Boxen mit Vertiefungen als würde man sein neues Smartphone auspacken, beschriftet auf der Teigtaschenfals ist das ein echtes Erlebnis. Es gab auch eine kleine pointierte (in der Tendenz repräsentative) Unterhaltung zwischen Miguel und Mabel. Mabel:” Schau mal Miguel in demen carne suave Empananda sind zwei  Frühlingszwiebelringe. Eigentlich magst du doch nix grünes”. Miquel:”richtig. Aber so ist es ok.”
Nach einem Hausrundgang wurde Celanies selbstgemachtes Tiramisu verteilt, das war sehr lecker. Normalerweise erzeugt Celanie keine Speisen sondern lichtet diese ab, sodass sie auf der Speisekarte gut aussehen. Nacho arbeitet bei der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, Announcements, Product launches etc. Sprich die beiden arbeiten in einer Ähnlichen Branche. Das Tiramisu sah aber nicht nur gut aus sondern schmeckte auch gut. Zu Trinken gab es dosenbier, Cola, oder Orangensaft. Sehr beliebt ist auch Wasser mit Blub aus dem Sifon. Das ist anders als erwartet das Wort für eine plastikflasche die unter druck steht und durch einen Hebel im Deckel sich selbst entleert.

Impfwunsch: Simon wünscht sich was gegen Coffein aus Mate, er ist es nicht gewohnt und labert wie ein Wasserfall ;)
Nicht empfehlenswert: Schildkröte und Hund wollen nicht nur spielen
Höchsttemperatur: ca. 27
Mückenstichcounter: 1


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